An Spannung nicht zu überbieten waren die beiden Goldmedaillen für Enja Rößeling und Marleen Sits bei der U23-und Junioren-WM im Westen Portugals

Nicht nur unter der portugiesischen Sonne funkelndes Edelmetall, auch bange und lange Minuten des Wartens auf das Ergebnis sowie Enttäuschung, ebenso Jubel, Freudentränen und Freudentänze, Nationalhymne inklusive – all das hatten die U23- und Junioren-Kanurennsport-Weltmeisterschaften am vergangenen Wochenende zu bieten. Speziell für die drei Teilnehmer der KG Essen: Enja Rößeling, Marleen Sits und Jonas Borkowski. Am Ende lagen da zwei Gold- und eine Medaillen bei der Rückreise im Gepäck!

Und so konnte Enja Rößeling bei ihrer Ankunft wieder in Essen stolz Gold und Bronze präsentieren – und war dabei offensichtlich immer noch ganz gefangen von den emotionalen Eindrücken der U23-WM. Ein Auftakt nach Maß war ihr dabei in Montemor-o-Velho schon im Finale des Einerkajaks über 1.000m gelungen. Als Bronzemedaillengewinnerin bei der EM vor weinigen Wochen in Rumänien ins Rennen gegangen, gelang ihr auch in Montemor ein grandioses Rennen. Montemor erwies sich leider auch in diesem wie so manchen Rennen als eine Strecke bekannt für schräg einfallende Winde und damit häufig auch ungleiche Bedingungen. Lange in Führung liegend, hatte Enja wohl kaum eine Chance gegen die doch im Windschatten fahrenden Außenbahnen. Im Ziel dann Platz drei und WM-Bronze für Enja, die sich mega freute. „Ich bin mehr als zufrieden mit Bronze. So ist es bei einer Außensportart; ich habe einfach alles gegeben und kann mir nichts vorwerfen“.

Mit ihr freute und feierte da auch Lena Röhlings, ihre Berliner Zweierpartnerin. Mit der es einen Tag später ins WM-Finale fing. Beide waren auch zuvor schon U23-Europameisterinnen geworden. „Natürlich hatten wir so gehofft und gedacht, da vorne mitfahren zu können. Wollten jetzt bei der WM schauen, was dann so geht, wenn es optimal läuft“. Es lief optimal - aber von dem, was dann passierte, hätten beide nicht zu träumen gewagt.

Auch der Kommentator der ICF (Internationalen Canoe Föderation) war bei seiner Berichterstattung völlig aus dem Häuschen. „Klar ist, Ungarn wird Platz drei belegen, aber wer gewinnt? Die Slowakei oder Deutschland?“ Lena Röhlings und Enja Rößeling fuhren Bootsspitze an Bootsspitze mit den Sloweninnen ins Ziel. Kein Jubel in einem der Boote – nichts. Dann der erste Blick auf die Anzeigetafel. „Und die wies uns mit 2/1000 Sekunden Rückstand als zweite aus“, beschrieb Enja die ersten Momente nach der Zieldurchfahrt. Kombiniert mit erstem verhaltenem Jubel im gegnerischen Boot. Schnell wurde dann vom Ufer aus signalisiert „abwarten“. Bis dann Jubel aufbrandete; auf der Tribüne bei den Fans und den Sportlerinnen. Das Zielfoto war ausgewertet und wies zwei Boote als Weltmeisterinnen aus!

„Da waren wir ja schon am Steg ausgestiegen und hatten gewartet auf das offizielle Ergebnis. Was folgte, war einfach unbeschreiblich! Die Sloweninnen und wir sind zusammengelaufen, haben uns in den Armen gelegen, zusammen geweint und vor Freude getanzt. Wir sind in zwei Zweiern angetreten und haben dann als Vierer gefeiert. Das war der Wahnsinn und ein so spezieller Moment, den man nicht mehr missen möchte“, beschrieb auch mit etwas Distanz eine noch immer emotional betroffene Enja Rößeling.

Nächstes Highlight dann natürlich die Siegerehrung. Enja hörte da schon zum dritten Mal die Nationalhymne für sich – nun aber mit ganz speziellen Umständen. Erstmals 2022 im 1.000m-Einer bei der U23-EM war schon sehr beeindruckend für sie, ebenso vor wenigen Wochen mit Lena im EM-Zweier. „Aber nun bei einer WM und mit diesem speziellen Ergebnis, das ist bislang für mich das Highlight. Es war und ist immer noch unfassbar. Da kamen und kommen einfach alle Emotionen hoch“, hatte Enja Rößeling auch mit etwas Abstand noch feuchte Augen.

Die hatte auch Marleen Sits, die in Montemor bei den Junioren-WM-Rennen für sich zum ersten Mal die Nationalhymne hörte. Für sie als Schlagfrau und die Oberhausenerin Caroline Heuser war es in Portugal der erste internationale Zweiereinsatz. Bei dem sie schon mit einem mehr als souveränen Vorlaufsieg nicht nur ins Finale einzogen, sondern auch deutlich machten, dass sie bei der Vergabe der Medaillen mitreden wollten. Sie machten es dann nicht so knapp wie Enja Rößeling und Lena Röhlings, sondern gewannen recht deutlich WM-Gold bei den Juniorinnen! Ihre Stärke vorher nicht genau einschätzen können, behielt Marleen als Schlagfrau durchaus die Nerven, kräftig unterstützt von Hinterfrau Caroline Heuser. „Irgendwie habe ich in den Augenwinkeln gesehen, dass kein Boot eng neben uns liegt und nur gedacht, dies jetzt bis ins Ziel halten“. Gedacht, getan und Jubel auf der Ziellinie. „Dann zum ersten Mal die Nationalhymne irgendwie für sich zu hören, war schon ein ganz spezieller Moment“, war auch Marleen immer noch gerührt.

            Und so waren sich Marleen Sits und Enja Rößeling einig: „davon gerne zukünftig mehr“.

  • In zwei WM-Finals der U23 vertreten war auch Jonas Borkowski.Nach EM-Bronze aber lief es für ihn in Montemor nicht optimal. Platz fünf im Vierer und Rang sieben im Zweier aber waren nicht die Ergebnisse, die er sich erhofft hatte. „Noch können wir uns nicht erklären, warum es nicht zu mehr gereicht hat, aber so ist es nun mal“.
  • Für ihn und auch Enja Rößeling geht es nun direkt weiter, denn beide werden schon am kommenden Wochenende wie auch Max Rendschmidt bei den „Finals“ in Dresden an den Start gehen.
  • Und schon im Vorfeld der U23-WM hat Enja Rößeling die Nachricht erhalten, dass sie neben Max Rendschmidt als zweite Essenerin auch bei der WM in Mailand Mitte August im 5.000m-Einerkajak zum Einsatz kommen wird. „Darauf freue ich mich sehr, das ist auf jeden Fall eine Zugabe zur internationalen Saison“.
  • Nach der WM in Mailand geht es dann für alle direkt zu den Deutschen Meisterschaften in Köln.