Vor gut 50 Jahren gegründet, hat sich die Kanusport-Gemeinschaft Essen mit 10 Olympischen Gold-, fünf Olympischen Silber- und drei Olympischen Bronzemedaillen zu der erfolgreichsten olympischen Sportart in Essen entwickelt

1996 Reineck Winter Samaranch K4 Atlanta resizeWoran misst man sportlichen Erfolg? Was macht ihn aus? Da gibt es viele Fragestellungen, viele Ansatzpunkt, viele Definitionsmöglichkeiten. Eine recht klare Antwort hat da die Kanusport-Gemeinschaft Essen (KGE) parat. 1971 auf Initiative von Helmut Ständer (Stadtsportbund) und dem damaligen Bürgermeister Helmut Karnath wurde die KGE mit dem Ziel, durchaus vorhandene hoffnungsvolle Talente in den damals Rennsport treibenden Vereinen zu bündeln, gute Rahmenbedingungen zu schaffen und auch international konkurrenzfähig zu werden, als Zusammenschluss aller Leistungssporttreibenden Rennsport-Vereine gegründet – mit einem bis heute mehr als beeindruckenden Erfolg! „Ich bin schon stolz, nach der am Anfang nicht immer auf Zustimmung stoßenden Konzentration als Gründungsmitglied, dann als Trainer, Sport- und auch Pressewart sowie Clubmanager über 50 Jahre die Entwicklung der KGE mitprägen und verfolgen zu dürfen“, blickt Heino Terporten zurück.

Stellvertretend für seine bisherigen Vorgänger (u.a. Rolf Drewel, Dr. Bernhard Görgens) gibt auch der aktuelle Vorsitzende Kai Spenner ein klares Statement aus. „Die KGE hat sich von Beginn an dem olympischen Amateur-Leistungssport verschrieben. Und da geht es natürlich insbesondere um internationale Erfolge bei Olympischen Spielen“. Auch für ihn als über viele Jahre erfolgreiches Mitglied der Nationalmannschaft wäre dies „einfach nur grandios“ gewesen.

Nach Vereinsgründung mit schnellen nicht für möglich gehaltenen nationalen und internationalen Erfolgen war es dann 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona/Spanien soweit: Als Schlagmann des „Deutschlandvierers“ führte Thomas Reineck das Flaggschiff des Deutschen Kanu-Verbandes zum Olympiasieg; mit im Boot zudem KGEer Mario von Appen!. „Olympische Spiele waren und sind nach wie vor für mich der größte sportliche Wettkampf. Schon daran teilzunehmen und dann noch zu gewinnen, macht viel mit einem“, erinnert sich Thomas Reineck. All das noch einmal erleben zu wollen, war der Antrieb für vier weitere Jahre der Schinderei. Denn bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta/USA führte er den Viererkajak erneut zum Olympiasieg; mit im Boot dieses Mal der KGEer Olaf Winter. „Wir wollten Gold und haben es gewonnen – das ist einfach das höchste Ziel“, so Thomas Reineck, der dem Kanurennsport als amtierender Präsident des Landes-Kanu-Verbandes NRW nach wie vor verbunden ist.

Wylenzek OL Medaillensatz 2004 08 C0423 resize2004 war es Tomasz „Tomek“ Wylenzek, der in Athen/Griechenland im Zweiercanadier über 1.000m Gold gewann und seinen Medaillensatz 2008 in Peking/China um Silber und Bronze ergänzen konnte.

Dann führte 2000 in Sydney/Australien Jan Schäfer, heute u.a. Regattaleiter der großen internationalen Kanuregatta hier in Essen, als Schlagmann den 1.000m-Viererkajak zu Silber. Aber diese Spiele sollten auch zu einem der bittersten Momente für Lutz Liwowski werden. Als Einer-Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger der beiden Vorjahre im Einerkajak als Favorit in den Vorlauf gegangen, musste er nach einem Fehlstart und der Disqualifikation alle Träume auf olympisches Edelmetall begraben.

Den Traum von Olympischem Gold hatte auch Max Hoff, der 2007 als Wildwasser-Weltmeister zum olympischen Rennsport gewechselt war. Über viele Jahre prägte er die Szene im Einerkajak, ebenso erfolgreich in den Mannschaftsbooten. Als Medaillenkandidat im 1.000m-Einerkajak ging er dann 2012 in London/Großbritannien ins Rennen. Am Ende gab es Bronze: für Viele sicher schon der Traum, für ihn wohl eher eine kleine Enttäuschung. „Vielleicht hätte ich nach London und einer Goldmedaille aufgehört, so aber habe ich weitergemacht“, sagte Max Hoff später einmal. Der Traum sollte sich für ihn vier Jahre später 2916 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro/Brasilien im 1.000m-Viererkajak erfüllen. Wie von einem anderen Stern zog da der deutsche Vierer der Konkurrenz auf und davon und gewann Olympiagold mit einem nicht für möglich gehaltenen Vorsprung! Doch da war nicht nur Max Hoff auf dem Olymp angekommen, sondern auch Max Rendschmidt!

Er war es, der den Viererkajak als Schlagmann so bravourös über die Strecke gebracht und zuvor schon mit seinem Berliner Partner Marcus Groß Olympia-Gold im Zweierkajak gewonnen hatte. Womit er innerhalb nur weniger Stunden als 23-jähriger zum Olympia-Star aufgestiegen war. „Ich hatte solche Erfolge gar nicht im Kopf; mir hat Paddeln einfach nur Spaß gemacht. Und dann stand ich auf einmal ganz oben in Rio“, erinnert sich der inzwischen 32-jährige. Er zieht die Kraft, den Sport zu betreiben, aus dem Spaß daran, Kontakte zu knüpfen, tolle Freunde zu finden. „Sport zu treiben, ist unglaublich wichtig für Jeden, für die Gesellschaft! Aber ich muss natürlich auch sagen, dass es mega schön war, an Olympischen Spielen teilzunehmen, Olympiasieger zu werden. Da gibt es kein ex- oder ehemalig - Olympiasieger bleibt man auf Lebenszeit. Das ist einfach herausragend. Olympische Spiele sind etwas ganz Besonderes. Nicht ohne Grund streben nicht-olympische Sportarten danach, in das olympische Programm aufgenommen zu werden!“ Max Rendschmidt gewann zudem jeweils im 500m-Viererkajak Olympia-Gold in 2021 in Tokio/Japan und im vergangenen Jahr in Paris. Und zählt mit vier Olympischen Goldmedaillen zu den ganz Großen im Sport und ist der erfolgreichste Olympionike in Essen!

Ja, welche sportliche Bilanz kann die KG Essen nun nach 50 Jahren ziehen? Da stehen 10 Olympische Goldmedaillen, 5 Olympische Silber- und 3 Olympische Bronzemedaillen zubuche! 22 Essener haben in 32 Einsätzen an Olympischen Spielen teilgenommen. Zudem gab es eine Vielzahl von Weltmeister- und Europameister-Titeln und unzählige (über 500!) Deutsche Meisterschaften zu feiern.

Rendschmidt OL Gold Paris Z2809 resize„Leistung gehört nach wie vor gefördert, das ist kein Selbstläufer“, betont Thomas Reineck. Nur mit Hilfe engagierter Trainer (hier sei Robert Berger genannt, der über 30 Jahre als Heimtrainer für die Kajak-Herren verantwortlich war), Übungsleiter, vielen Helfern, konstanter Fürsprecher und Förderer, Sponsoren usw. ist dies möglich. Gewachsen vom reinen Verein zum Landesleistungs- und Bundesstützpunkt mit der Betreuung durch den Olympiastützpunkt konnte die KGE zu dem werden, was sie nun ist. – unter der gegebenen Definition von sportlichem Erfolg der erfolgreichste olympische Sportverein in Essen – und über diese Grenzen hinaus auch bundesweit eine der ersten Adressen!

Irgendwie passend obliegt es da Max Rendschmidt als dem Essener sportlichen Aushängeschild schlechthin, die Fakten auf seine Art schmunzelnd noch einmal auf den Punkt zu bringen: „Der Stadt Essen gebührt für all ihre Unterstützung der größte Dank, ohne dies wäre vieles nicht möglich gewesen – aber wir Kanuten der KGE repräsentieren die Stadt sicher auch ganz gut!“

Ja, am Anfang war eine Idee; die sich im Laufe der Jahre zu der erfolgreichsten olympischen Vereinsgeschichten in Essen gemausert hat!

  • Olympia-Gold:

1992: Thomas Reineck mit Mario von Appen (KIV 1.000m)

1996: Thomas Reineck mit Olaf Winter (KIV 1.000m)

2004: Tomasz Wylenzek (CII 1.000m)

2016: Max Rendschmidt (KIV 1.000m und KII 1.000m) und Max Hoff (KIV 1.000m)

2021: Max Rendschmidt (KIV 500m)

2024: Max Rendschmidt (KIV 500m)

  • Olympia-Silber:

1984: Barbara Schüttpelz (KI 500m)

1992: Katrin Borchert (KIV 500m)

2000: Jan Schäfer (KIV 1.000m)

2008: Tomasz Wylenzek CII 1.000m

2021: Max Hoff (KII 1.000m)

  • Olympia-Bronze:

1984: Barbara Schüttpelz (KII 500m)

2008: Tomasz Wylenzek (CII 500m

2012: Max Hoff (KI 1.000m