Blickpunkt „Malta See“ vor den Toren Posens/Polen hieß es letzte Woche, standen dort die diesjährigen Weltmeisterschaften an, der absolute Saisonhöhepunkt der Rennkanuten. Und im Blickpunkt stand da mit dem deutschen Team natürlich auch der Viererkajak mit Max Rendschmidt, Max Lemke, Jacob Schopf (beide Potsdam) und Tom Liebscher-Lucz (Dresden).
Viele Wochen an Trainingslagern, drei Weltcups, die EM und zahlreiche Testfahrten lagen da schon hinter dem Quartett. Die letzte Vorbereitung bestritt die DKV-Flotte zuletzt in München; da galt es, auch noch am letzten Feinschliff zu arbeiten. Schindereien über das ganze Jahr, die sich jetzt vor Ort in Posen mehr als gelohnt haben sollten.
Denn die Goldmedaille und der WM-Titel im 500m-Viererkajak ging an das Flaggschiff des Deutschen Kanu-Verbandes, den „Deutschlandvierer“ mit Max Rendschmidt, Max Lemke, Jacob Schopf (beide Potsdam) und Tom Liebscher-Lucz (Dresden). Der laute und ausgelassene Jubel auf der Ziellinie ließ erahnen, wie groß die Erwartungen und nun Erleichterung im Quartett gewesen sein muss! Im Vorjahr bei der WM in Mailand (in einer leicht veränderten Besetzung) als Vierte an einer Medaille vorbeigeschrammt, war dies eine unglaubliche Steigerung. Die Olympiasieger von Paris waren nun auch „Champions of the World“, wie bei der Siegerehrung laut verkündet wurde!
„Die Jungs haben sich das in dieser Saisonrichtig hart erkämpft“, war Bundestrainer Arndt Hanisch erleichtert, zumal mit diesem Sieg die so wichtigen 1,5-fachen Punkte für die Olympia-Qualifikation eingefahren wurden.
Nach gutem Vorlauf und Halbfinale hatten Rendschmidt & Co. Selbstvertrauen für das Finale getankt, auch wenn die Australier (bei den Olympischen Spielen in Paris nur um 100stel Sekunden hinter dem deutschen Boot) im Halbfinale die Bestzeit gefahren waren. „Alle wussten bei uns im Boot, was sie machen müssen“, erklärte Max Rendschmidt später.
Und wie sie es machten! Es wurde eine Goldfahrt vom Allerfeinsten! Und wieder machte Max Rendschmidt seinem Namen als ausgezeichneter Schlagmann alle Ehre; von hinten sorgten Max Lemke, Jacob Schopf und Tom Liebscher-Lucz kräftig für den nötigen Schub. Vom Start an setzte sich das Quartett an die Spitze des Feldes, gab die Führung nicht mehr her und fuhr mit einem sogar überraschenden Vorsprung in dem schnellsten aller Rennen als erste über die Ziellinie. In der Siegerzeit von 1.23,95 Minuten lagen sie 0,62 Sekunden vor dem australischen Boot und 1,58 Sekunden (!) vor dem Vierer aus Portugal.
Und dies, obwohl die Vorbereitung sich recht schwierig gestaltet hatte. Max Rendschmidt war ja krankheitsbedingt beim Weltcup in Montreal ausgefallen, und in München hatte ein Magen-Darm-Virus einige des Viererteams ausgebremst. So wenig Vierereinheiten wie noch nie konnten daher absolviert werden.
„So gesehen, war es ein absolut super Rennen. Sonst sind wir eher immer im Feld mitgefahren, haben uns am Ende meist gelöst. Jetzt konnten wir tatsächlich schon vom Start an wegfahren und haben es durchgezogen. Als dann so 110 Meter vor dem Ziel das „hepp“ von hinten für den Endspurt kam, hat man schon im Augenwinkel gesehen, dass wir vorne liegen. Aber so richtig sicher bin ich mir lieber erst im Ziel“, erzählte Max Rendschmidt schmunzelnd. Auch Hintermann Tom Liebscher-Lucz bekräftigte, dass es einfach nur ein krasses Rennen gewesen sei, das er so nicht für möglich gehalten habe.
„Alle Jungs haben ihren Job richtig, richtig gut gemacht und wir hatten extrem viel Spaß. Das gibt uns die Motivation, auf dem richtigen Weg zu sein. Den wir nun auch in den nächsten zwei Jahren weitergehen wollen in Richtung Los Angeles 2028“, gab Max schon einen Vorgeschmack auf die nächsten Jahre.
Neben schon vier Olympischen Goldmedaillen war dies zudem der siebte WM-Titel für Max Rendschmidt, der mit seinem Team natürlich zu dem großartigen Abschneiden des Deutschen Kanu-Verbandes beitrug: 5 x Gold, 4 x Bronze – und Platz zwei in der Nationenwertung.
Groß gefeiert wurde der WM-Titel übrigens nicht direkt, hatten die anderen Teammitglieder doch noch weitere Starts. „Doch so ein Bierchen wird es wohl doch werden“, so Max Rendschmidt. Und nach den letzten Rennen am Sonntag könnte dann doch noch das ein oder andere hinzugekommen sein.
Direkt vom Malta See in Posen ging es dann zum Beetzsee von Brandenburg, wo die 105. Deutschen Kanurennsport-Meisterschaften ausgetragen werden. Insgesamt gehen hier 836 Aktive aus 97 Vereinen von Dienstag bis Sonntag in die Rennen. Darunter natürlich auch die KG Essen mit einem schlagkräftigen Mannschaft aus 32 Teilnehmern.




