Nico Paufler: mit der Liebe zum Kanusport über Bayern nach Essen bis zu den World Games in China
Mit viel Leidenschaft für seinen Sport und voll berufstätig ist Nico Paufler erfolgreich unterwegs
Ein Leben ohne Kanusport ist bei Nico Paufler nur schwer vorstellbar. „Ich konnte wohl eher paddeln als laufen“, erzählt der 27-jährige Sportler der KG Essen lachend. Aufgewachsen in einer Kanu-Familie „in meinem kleinen Heimatdorf Fischhäuser“ bei Ismaning in Oberbayern entwickelte sich eine Leidenschaft für den Kanusport, mit der er nicht nur viele Erfolge einfahren konnte, sondern die ihn auch weit herumgebracht hat.
Die nächste große Station steht für Nico Paufler im August an, denn er hat sich im Kanu-Marathon für die World Games in Chengdu in China (7.-17. August) qualifiziert. Die World Games werden alle vier Jahre immer im Nachfolgejahr von Olympischen Spielen ausgetragen – die 12. Auflage dieses Mega-Events nun also in der chinesischen Mega-Metropole. Rund 4.000 Athleten aus 100 Nationen werden in 35 Sportarten in 253 Medaillen-Wettbewerben an den Start gehen.
Der Weg dorthin ist bei Nico Paufler gekennzeichnet von seiner Vielseitigkeit. Auf der Olympiastrecke von München sammelte er als kleiner Knirps nicht nur erste Erfahrungen im Rennsport, sondern schon in der Schülerklasse auch erste Erfolge. Dann stagnierte es etwas. „Ich war wohl zu klein und zart, was sich ja nun etwas geändert hat. Zumindest bin ich gewachsen“, blickt der gut 190 cm große Kanute schmunzelnd zurück. Die Berge nicht weit, begann er schon früh, auch ins Wildwasserboot zu steigen und fortan zweigleisig auf dem Wasser unterwegs zu sein. Dann kam in der Jugendklasse Kanu-Marathon bzw. Fluss-Marathon dazu, das dritte Standbein auf dem Wasser! Den wohl nicht nur längsten, sondern auch härtesten Wettkampf, den Nico Paufler später mal bewältigt hat, war übrigens die legendäre Tour de Gudena in Dänemark über 70 Kilometer!
Aber irgendwie war dann auch Nico Paufler klar, „dass man nicht auf drei Kanu-Hochzeiten tanzen kann“. Doch die Entscheidung für den Rennsport und Marathonbereich war letztendlich dem Zufall bzw. einer ganz speziellen Zeit geschuldet. Ende 2019 hatte Nico Paufler eigentlich mit dem Rennsport abgeschlossen und sich entschieden, nach dem Abschluss des Bachelors im Bereich Kunststofftechnik erst einmal ein Freisemester zu nehmen und ein halbes Jahr nach Südafrika zu reisen – auch um dort an bekannten Marathon-Rennen teilzunehmen. Was aber kam, war Corona! Und die Reise unmöglich. Immer noch im Blickfeld des Verbandes kam es dann dazu, dass Nico 2020 an einer internen Rennsport-Sichtung „quasi aus dem Stehgreif“ teilnahm. Und schnell wurde klar „wenn ich weiterkommen möchte, brauche ich eine starke Trainingsgruppe“. Was folgte, war der Wechsel von seinem Heimatverein KG München zur KG Essen! Ausschlaggebend war allerdings auch die Wahl für die Uni in Bochum, wo Nico Paufler dann seinem Master in Maschinenbau mit der Vertiefung Werkstoffe absolviert konnte. Und er inzwischen eine volle Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Materialien einnimmt. Womit er zu den ganz wenigen gehört, die Leistungssport und Beruf in Einklang bringen. „Wichtig ist das eigene Zeitmanagement. Ich muss sehr früh raus zum Frühtraining und bin schon auf der Arbeit, wenn die anderen zum Training kommen. Die Regeneration ist manchmal schwierig; Prioritäten setzen ist nicht immer einfach“. All das ist nur möglich mit viel Verständnis vom Arbeitgeber. „Und das ist bei mir und der Uni der Fall – dafür bin ich sehr dankbar!“
Noch heute gerät bei der Beschreibung aller drei Disziplinen Nico Paufler ins Schwärmen. Im Wildwasser ist man im Einzelzeitfahren alleine mitten auf einem Fluss unterwegs und muss bei der Suche nach der Ideallinie „im Kopf immer frisch bleiben“. Im Rennsport stehen gleich neun Konkurrenten nebeneinander am Start. Hier gibt es taktische Varianten zu beachten. Und im Marathon startet ein großes Feld nebeneinanderliegend und auf der langen Strecke kann extrem viel passieren. Die zu bewältigenden Portagen - sprich gut 100 Meter langen Laufstrecken - stellen eine besondere Herausforderung dar. „Da spielen die Beine eine große Rolle. Man unterschätzt, wenn das Blut beim Laufen in die Beine schießt und man anschließend wieder mit den Armen paddeln muss“, erläutert Nico Paufler.
Auch das Boot mit technischer Ausstattung spielt hier eine große Rolle. Da weiß gerade Nico Paufler, wovon er spricht. In der Saison 2023 hatte er sich für die A-Mannschaft des Deutschen Kanu-Verbandes qualifiziert und war bei den Weltcups über 5.000 Meter in die Rennen gegangen. Hatte dort aber gerade bei den Lauf-Portagen mit normalem Boot und Steuer so manche Probleme. Das Wasser schwappte im nur schwer auszubalancierenden Kajak hin und her und das Steuer schlug auf dem Steg auf. Zur WM in Duisburg dann ging Nico mit einem stählernen Steuer, um dessen Bau sich KGE-Clubmanager Heino Terporten und KGE-Vorsitzender Olaf Schade gekümmert hatten und das auch den Bodenkontakte des schon mit viel Wasser gefüllten Bootes aushielt, sowie mit angebrachten Griffen am Boot an den Start. Das Ergebnis: die Bronzemedaillen!
Auch in Chengdu werden die ersten Tage nach der Ankunft geprägt sein von viel technischer Arbeit am Boot. Eines von denen hat Nico Paufler dankenswerterweise von der schwedischen Bootsbaufirma NordicKayaks als Trainingsboot in Essen bereitgestellt bekommen. Und das Wettkampfboot liegt dann vor Ort in China. „Da müssen die Griffe angebracht, die Pumpen eingebaut und auch das Trinksystem befestigt werden. Das ist aufwendig, alles muss passen, Fehler müssen minimiert werden“, so Nico Paufler.
An den Start gehen wird Nico Paufler auf der kurzen 3,6km-Strecke und auf der langen über 20km-Strecke. Dies in jeweils 2-7 Runden mit rund 100 Metern langen Portagen. In Chengdu in Strandportagen, die Nico besonders mag, denn „da ist es etwas materialschonender als auf einem Steg“. Beide Distanzen liegen ihm, wurde er doch hier in diesem Jahr jeweils Deutscher Meister. Den erforderlichen und wie bei Olympischen Spielen erforderlichen Quotenplatz für die World Games hatte im Vorjahr übrigens Marcel Paufler geholt, der Cousin von Nico. Der nun in der diesjährigen Quali als zweiter das Nachsehen hatte. „Aber das ist für uns beide überhaupt kein Problem“, erklärt Nico Paufler.
Der sich nun in der verbleibenden Zeit erst einmal auf das Riesen-Event freut, auf China, die Kultur und die sportbegeisterte Bevölkerung – und auch auf tolle und hoffentlich erfolgreiche Rennen.
Nach denen dann ja vielleicht wie nach der WM in 2023 nach seinem Gewinn der Bronzemedaille wieder in seinem kleinen Heimatdorf Fischhäuser und der Gemeinde Ismaning eine Anzeige in der Zeitung abgedruckt ist, mit der man „ihrem“ Nico Paufler gratuliert. „Das fand ich nicht nur sehr cool, sondern da war ich auch sehr gerührt“ wünscht sich natürlich Nico Paufler eine Wiederholung.
Viele Urlaubstage gehen für die Ausübung seines Sports drauf. So auch für Chengdu und die Zeit danach. Denn dann stehen noch im Rennsport die Deutschen Meisterschaften in Köln sowie die Marathon-WM in Ungarn an. Für Nico Paufler kein Problem, ganz im Gegenteil: „ich bin einfach sehr dankbar, dass ich diesen Weg gehen und auskosten konnte, was der Kanusport so bietet. Normalen Urlaub brauche ich nicht. Paddeln ist für mich Urlaub!“
Auszug der herausragenden Erfolge:
2018: U23-Europameister Marathon-Einer; U23-Wildwasser-Europameister
2019: U23-Wildwasser-Weltmeister Einzel und Vize-Weltmeister Mannschaft
2020: Deutscher Meister Marathon, 3. Platz Tour de Gudena
2021: U23-Weltmeister Rennsport KII 1.000m
2022: Wold Games Birmingham: 2. Platz Marathon Kurzstrecke; Sudentenweltmeister Rennsport KI 1.000m und KII 1.000m
2023: WM-Bronze in Duisburg Rennsport
2024: WM- und EM-Finalist Rennsport
2025: Deutscher Meister KI Marathon Kurz- und Langstrecke, Qualifikation für World
Games in Chengdu
*in allen Jahren vielfacher Deutscher Meister in mehreren Disziplinen